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Nachtsichtgeräte

Was beim Kauf von einem Nachtsichtgerät zu beachten ist
 

Ein Nachtsichtgerät gibt Orientierung in der Dunkelheit. Durch die integrierte Technik ist es möglich, Objekte in der Nacht zu sehen. Sie sind nicht nur nette Spielerei, sondern dienen je nach Ausführung einem besonderen Zweck. Neben dem Einsatz beim Militär, der Polizei und Sicherheitsdiensten nutzen auch Jäger, Naturforscher und Privatpersonen Nachtsichtgeräte.

Welches Nachtsichtgerät ist nun aber das richtige für meine Zwecke, auf was muss ich beim Kauf achten und welcher Hersteller ist für meinen Einsatzbereich zu bevorzugen?

Diese und andere Fragen zum Nachtsichtgerät bzw. Restlichtverstärker wollen wir im folgenden Artikel behandeln.

Typen von Nachtsichtgeräten

Auf dem Markt existieren unterschiedliche Technologien: Es gibt Nachtsichtgeräte mit Restlichtverstärkern, Nachtsichtgeräte mit Infrarot-Strahlern (IR-Strahlern), digitale Nachtsichtgeräte sowie Thermalkameras.

Ein Nachtsichtgerät mit Restlichtverstärker nutzt vorhandene Lichtquellen wie Stadtlicht, Mondlicht oder Sternenlicht und verstärkt dieses. Als Lichtquelle dient ebenso nicht sichtbares Infrarotlicht, das die Bildwandlerröhren in sichtbares Licht umwandeln. Sie besitzen eine große Reichweite.
Diese Nachtsichtgeräte werden je nach Bauart in Generation unterschieden. Ab der 2. Generation gibt es sehr gute Nachtsichtgeräte, die auch ein Schwarz-Weiß-Bild darstellen und nicht mehr das gewöhnungsbedürftig grüne Bild.

Wenn es absolut dunkel ist (bei Bewölkung in ländlicher Umgebung) kann nur ein Nachtsichtgerät mit IR-Strahler als Sehhilfe dienen. Hierbei wird die nahe Umgebung mit einem für Mensch und Tier unsichtbaren Infrarot-Strahl ausgeleuchtet. Die Bildwandlerröhre erzeugt daraus ein sichtbares (grünes) Bild. In der Regel ist der IR-Strahler, auch IR-Aufheller, bereits in das Gehäuse des Nachtsichtgeräts eingebaut. Sie können auch bei schlechten Witterungsverhältnissen eingesetzt werden. Nur bei Schneefall sind sie nicht von Nutzen, da der Schnee das Infrarotlicht reflektiert.

Ein digitales Nachtsichtgerät nutzt CCD-Bildsensoren, um das Sehen bei Dunkelheit zu ermöglichen. Diesen Sensoren fehlt der Infrarot-Filter, weshalb sie Infrarotstrahlung wahrnehmen. Durch elektronische Umwandlung wird das Bild auf einem Mikrodisplay sichtbar. Das Bild ist in der Regel Schwarz - Weiß. Auch hier gibt es Modelle mit IR-Strahlern für den Einsatz in absoluter Dunkelheit. Die digitale Technik kann schon in der Dämmerung eingesetzt werden. Ein Nachtsichtgerät mit Restlichtverstärker riskiert dagegen in der Dämmerung eine ernsthafte Schädigung der Röhre.

Thermalkamerasnutzen die Wärmeabstrahlung von Objekten, um ein Bild zu generieren. Sie werden auch Wärmebildkameras oder Wärmebildgeräte genannt. Sie machen die Temperaturunterschiede sichtbar. Sie können nicht nur in absoluter Dunkelheit, sondern auch bei Nebel und Niederschlag sowie am Tag eingesetzt werden.

Wann wurde das Nachtsichtgerät erfunden?

Der Prototyp eines Nachtsichtgeräts wurde 1934 von der Firma AEG gebaut. Dabei handelte es sich um einen Infrarot-Bildumwandler. In den 1940er Jahren kamen die ersten Nachtsichtgeräte zum Einsatz.

Welches Nachtsichtgerät ist für die Jagd geeignet?

Für die Jagd bei Nacht ist besonders die Reichweite des Nachtsichtgeräts, das Einsatzgebiet und die Revierverhältnisse entscheidend. Zu den beliebtesten Nachtsichtgeräten für die Jagd zählen Thermalkameras. Sie dienen zum Beobachten und Ausmachen von Wild und zur Nachsuche. Der Einsatz von Wärmebildkameras deckt große Entfernungen ab. Sie sind völlig unabhängig vom Wetter und Lichtverhältnissen und komplett unsichtbar. Sie können sogar am Tag eingesetzt werden und zeigen Wild zuverlässig an.

Wer ein Nachtsichtgerät direkt für die Schwarzwildjagd einsetzen will, sollte auf ein Monokular zurückgreifen. Die Pupillen sind träge und gewöhnen sich nur langsam zwischen dem hellen Bild des Nachtsichtgeräts und dem dunklen Bild des Zielfernrohrs um. Deshalb ist es sinnvoller, ein Monokular-Nachtsichtgerät an einer Kopfhalterung zu befestigen, mit dem einen Auge durch das Nachtsichtgerät und mit dem anderen durch das Zielfernrohr zu sehen.

Wichtig ist, dass das Okular über eine Gummierung verfügt, damit das verstärkte Licht aus dem Nachtsichtgerät nicht nach außen tritt. Dies könnte das Wild verschrecken.

Was ist ein Nachtsichtvorsatzgerät?

Das Nachtsichtvorsatzgerät wandelt eine Tagesoptik in eine Nachtoptik um. Über das Tagesobjektiv wird das Nachtsichtgerät mit Hilfe eines Ringadapters befestigt.

Auch für Wärmebildkameras gibt es Vorsatzgeräte. Sie sind technisch meist anspruchsvoller als Vorsatzgeräte für normale Optiken. Die Befestigung ist ebenso schwieriger. Die Optik muss mitunter justiert werden und funktioniert nicht immer präzise. So können dünne Äste oder Blätter eventuell nicht abgebildet werden.

Das Nachtsichtgerät als Brille

Ein Nachtsichtgerät als Brille besitzt zunächst einen binokularen Einblick, das heißt man sieht mit beiden Augen hindurch. Zudem zeichnet sich eine Nachtsichtbrille durch eine Kopfhalterung aus, die das Nachtsichtgerät vor den Augen hält. Die Hände sind somit frei. Meist befindet sich ein Gurtsystem über dem Kopf und eine Halterung an der Stirn. Das Nachtsichtgerät kann bei Bedarf nach oben geklappt oder abgenommen werden.

Funktioniert ein Nachtsichtgerät bei Nebel?

Thermalkameras, Restlichtverstärker mit IR-Strahler und Digitalgeräte mit IR-Aufheller funktionieren bei Nebel. Ein Nachtsichtgerät ohne IR-Strahler empfängt je nach Dichte des Nebels nicht genügend Restlicht, um ein Bild darstellen zu können. Dies trifft sowohl auf Restlichtverstärker als auch auf digitale Nachtsichtgeräte zu. Wärmebildgeräte arbeiten nicht mit Licht, sondern mit Temperaturunterschieden. Sie bleiben vom Nebel unbeeinflusst.

Gibt es das Nachtsichtgerät auch für Brillenträger?

Viele Nachtsichtgeräte erlauben es dank großzügiger Okulare mit Brille durch das Gerät zu schauen. Die meisten Nachtsichtgeräte verfügen über einen Dioptrienausgleich, über den sie das Bild scharf stellen können.

Ist ein Nachtsichtgerät erlaubt?

Erlaubt sind nur Nachtsichtgeräte, die nicht mit einer Zielvorrichtung und einer Schusswaffe verbunden sind. Geregelt wird dies im Bundeswaffengesetz § 2 Abs. 2 bis 4, sowie dem Bundesjagdgesetz in § 19. Für die Wildbeobachtung oder zum Aufspüren von Wild kann ein Nachtsichtgerät eingesetzt werden.

Muss ich ein Nachtsichtgerät einstellen?

Ja. Je nach Preisklasse gibt es verschiedene Einstellmöglichkeiten. Der Fokus ist bei allen Geräten einzustellen. Damit wird das Objekt scharf gestellt. Bei sehr günstigen Geräten liegt die Tiefenschärfe in einem geringen Bereich und muss öfter nachjustiert werden.

Wie schon erwähnt ist bei den meisten Nachtsichtgeräten das Okular verstellbar, um die Dioptrien auszugleichen.

Weiterhin lässt sich bei vielen Nachtsichtgeräten die Vergrößerung einstellen. Es gibt Geräte, die mit fixer oder ohne Vergrößerung arbeiten. Eine feste Vergrößerung eignet sich zum Beobachten von stehenden Objekten. Ein Nachtsichtgerät ohne Vergrößerung ist die beste Variante, wenn man das Gerät benutzt, um bei Nacht einen Spaziergang zu unternehmen.

Bei Geräten ab der mittleren Preisklasse kann die Lichtverstärkung eingestellt werden. Je mehr Restlicht, desto geringer muss die Helligkeit des Nachtsichtgeräts sein.

Besitzt das Nachtsichtgerät einen IR-Strahler kann je nach Gerät auch dieser eingestellt werden. Günstige Geräte haben eine geringe Ausbeute an ausgeleuchtetem Sichtfeld, teure Geräte können je nach Bedarf stufenweise das Sichtfeld ausleuchten.

Wozu dient Nachtsichtgerät für ein Auge?

Bei einem Monokular sieht man mit nur einem Auge durch. Monokulare können als Vorsatzgerät oder Handgerät genutzt werden.

Gibt es Nachtsichtgeräte für Kinder?

Die meisten Nachtsichtgeräte für Kinder erhellen die Umgebung mittels rotem oder blauen LED-Licht. Wenige Modelle nutzen Restlicht, besitzen einen Infrarot-Aufheller und projizieren das Bild auf einem LCD-Monitor. Diese Nachtsichtgeräte sind Spielzeug. Im Freien reichen sie kaum weiter als fünf Meter. Damit ist es sehr schwer, Tiere bei Nacht zu beobachten. Wer im Dunklen Hauserkundungen anstellen will, wird Spaß mit den Nachtsichtgeräten für Kinder haben.

Welche namhaften Hersteller gibt es?

Der führende Hersteller von Nachtsichtgeräten ist Jahnke. Mit Preisen zwischen 4.000 und 7.000 Euro für ein Gerät sucht die Qualität der Modelle ihres gleichen. Der russische Hersteller Dipol bietet günstigere Geräte, die ebenso überzeugen. Die Nachtsichtgeräte von Dipol liegen um die 3.000 Euro.

Nachtsichtgeräte unter 1.000 Euro bieten Firmen wie Yukon, Armasight oder Bushnell.

Bekannte Marken für Wärmebildgeräte sind Pulsar, Flir und Liemke.

Gibt es einen Unterschied zwischen Nachtsichtgerät und Restlichtverstärker?

Die in Deutschland verwendeten Nachtsichtgeräte sind hauptsächlich Restlichtverstärker. Wobei die Thermalkameras auf dem Vormarsch sind. Die Qualität digitaler Nachtsichtgeräte reicht nur an Restlichtverstärker der 1. Generation heran. Damit stehen sie qualitativ weit hinter Restlichtverstärkern der 2. Generation und sind deshalb weniger im Einsatz.

Welches Nachtsichtgerät nutzt das Militär?

Das Militär nutzt Nachtsichtgeräte der 4. Generation. Diese verwenden ebCCD (electron bombarded charge-coupled device) - Sensoren zur digitalen Signalverarbeitung und Signaloptimierung. Sie sind nicht im Handel erhältlich.

Quellen:
alpha-photonics.com/grundwissen-ueber-nachtsicht/
www.outdoormeister.de/nachtsichtgeraet-test/
www.optik-pro.de/nachtsichtgeraete/22